Warum Belohnungen so verlockend sind

Belohnungen wirken schnell. Ein Kind, dem für die nächste Arbeit etwas versprochen wird, setzt sich oft tatsächlich häufiger an den Schreibtisch. Kurzfristig sieht das nach einem Erfolg aus. Die spannendere Frage ist aber: Was passiert langfristig mit der Lust am Lernen selbst?

Was die Forschung sagt

In einer bekannten Studie aus den 1970er-Jahren durften Kindergartenkinder, die gern malten, Bilder gestalten. Einem Teil wurde dafür vorher eine Auszeichnung versprochen. Später, in der freien Spielzeit, malten genau diese Kinder seltener als die Kinder, die keine Belohnung erwartet hatten. Aus „Ich male, weil es Spaß macht" war offenbar „Ich male, weil ich etwas dafür bekomme" geworden.

Eine große Übersichtsarbeit, die über hundert Experimente zusammenfasste, bestätigte das Muster: Erwartete, greifbare Belohnungen können die innere Motivation schwächen, vor allem bei Tätigkeiten, die eigentlich interessant sein könnten. Aufrichtiges, positives Feedback wirkte dagegen eher stärkend.

Drei Nebenwirkungen, die man kennen sollte

1. Der Blick wandert vom Lernen zur Belohnung

Wenn es für eine Eins Geld gibt, wird die Note zum Ziel, nicht das Verstehen. Kinder beginnen dann manchmal, den einfachsten Weg zur Zahl zu suchen, statt den Stoff wirklich zu durchdringen.

2. Fällt die Belohnung weg, fällt oft der Antrieb

Was mit Belohnung begonnen hat, läuft ohne sie oft schlechter als vorher. Und die Belohnungen müssen mit der Zeit meist größer werden, um noch zu wirken.

3. Noten sind nicht ganz in der Hand des Kindes

Eine Note hängt auch von der Tagesform, der Aufgabenstellung und der Aufregung ab. Wer sich enorm angestrengt hat und trotzdem eine Vier schreibt, geht leer aus. Für viele Kinder fühlt sich das an wie eine Strafe für etwas, das sie gar nicht verschuldet haben.

Heißt das: nie belohnen?

Nein. Es kommt darauf an, wie. Eine unerwartete kleine Feier nach einer anstrengenden Phase ist etwas anderes als ein vorher ausgehandelter Preis. Und Anerkennung für die Anstrengung wirkt anders als Bezahlung für ein Ergebnis.

Was stattdessen wirklich motiviert

Anstrengung loben statt Intelligenz. In Studien wählten Kinder, die für ihre Klugheit gelobt wurden, danach eher leichte Aufgaben und gaben nach einem Misserfolg schneller auf. Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt wurden, blieben eher dran. Ein Satz wie „Du hast richtig lange daran geübt" wirkt also mehr als „Du bist so schlau".

Fortschritt sichtbar machen. Ein Kind, das merkt, dass es heute etwas kann, was letzten Monat noch nicht ging, erlebt die stärkste Belohnung überhaupt: das Gefühl, etwas selbst geschafft zu haben.

Mitbestimmen lassen. Wann wird gelernt, womit fängt man an, welche Methode passt? Wer mitentscheiden darf, macht eher mit.

Mein Tipp

Statt „Fünf Euro für die Eins" lieber: „Ich habe gesehen, wie viel du geübt hast. Lass uns heute Abend zusammen Pizza machen." Unerwartet, für die Anstrengung und als gemeinsame Zeit statt als Tauschgeschäft.

Motivation, die von innen kommt

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Quellen

  • Lepper, M. R., Greene, D., & Nisbett, R. E. (1973). Undermining children's intrinsic interest with extrinsic reward: A test of the „overjustification“ hypothesis. Journal of Personality and Social Psychology, 28(1), 129–137.
  • Deci, E. L., Koestner, R., & Ryan, R. M. (1999). A meta-analytic review of experiments examining the effects of extrinsic rewards on intrinsic motivation. Psychological Bulletin, 125(6), 627–668.
  • Mueller, C. M., & Dweck, C. S. (1998). Praise for intelligence can undermine children's motivation and performance. Journal of Personality and Social Psychology, 75(1), 33–52.